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6. September 2007

Terror, terroris ( f.): Angst, Schrecken - IUF Kommentar 20/07

Roland Gast

Staatliche Geheimdienste, so scheint es manchmal, mögen einfache Antworten auf einfache Fragen.  

 

Wer einen Konflikt asymmetrisch austragen will, in der Regel der kleinste der Gegner, macht es seinen Feind in der Regel nicht so einfach. In direkter Konfrontation kann er es mit dem großen Gegner ja nicht aufnehmen. Der hat dabei auf jeden Fall mehr Macht. Ist der kleine Gegner also einmal gefunden, ist es für ihn aus.  

 

Daher die Binsenweisheit, dass sich Anhänger asymmetrischer Konfliktführung verstecken. Früher suchten sie unzugängliche Gebiete, gerne Wälder und Gebirge. In den kleinen Städten kannte ja jeder jeden und die flachen Kulturlandschaften waren für die Zentralmacht leicht zu kontrollieren. Früher. Obwohl; in der amerikanischen Armee sind Vietnam und Irak berüchtigt; in der russischen Afghanistan und Tschetschenien.  

 

Neu ist heute, dass man sich auch in den anonymen Weiten der Massenkonsumgesellschaft verstecken kann. Wer das macht, ist nicht mehr Verräter, Rebell oder Räuber, er ist Terrorist. Warum eigentlich? Terror bedeutet im lateinischen Angst. Terroristen sind Spezialisten der kollektiven Verunsicherung, des Generalverdachts und der Massenhysterie. Ein Beispiel: Wann genau wird es wieder möglich sein ohne Sicherheitskontrollen zu fliegen? Wir schränken uns ein und merken es gar nicht mehr, so gewohnt ist die Angst geworden. Dafür sehnen wir uns immer mehr nach Beständigkeit, nach Sicherheit, nach Vertrautem.  

 

Was für ein schönes Traumbild in einer sich immer schneller wandelnden Welt! Haben Sie ein Handy, das älter als fünf Jahre ist? Wir hätten auch ohne Terroristen genug Aufrütteln unserer Gewohnheiten. Wohl daher der Reflex der modernen „Sicherheit"sorgane, eben diese in allumfassender Information zu suchen. Wer alles weiß, kann alles kontrollieren, kann alles Schlechte verhindern. Dann sind Fragen und Antworten wieder einfach!  

 

Unser Festhaltenwollen am Vertrauten ist das Potenzial des Terror. Unsere Gesellschaft ist verwirrend offen, unsystematisch, austauschwillig und chaotisch, flexibel, sie muss es sein. Nur daher kommen unser Reichtum und unsere Freiheiten. Wenn wir den Terror als Grund hernehmen, um allem Fremdem zu misstrauen, Kontrollen einzuführen, uns abzuschotten, geht der Punkt an die Terroristen. Modern ist, wer Bestehendes hinterfragt, wer Neues wagt, auch wenn er dabei scheitern könnte. Wir sollen erstarren, uns nichts mehr zutrauen. Für die Moderne ist das der Tod. Und wenn wir uns auf das Spiel einlassen, können wir gleich wieder zu einem Leben zurückgehen, wie es der al-Qaida vorschwebt. Letztendlich handelt es sich dabei nämlich auch um Fundamentalkonservative, unter anderem auf den Plan gerufen durch das Vordringen moderner, also unüberschaubarer Lebensweise. Was im Afghanistan der Taliban die Religionspolizei übernahm, sollen wir selbst ausführen.  

 

Früher half man kleinen Gegnern, indem man dachte, viel Brutalität helfe viel. Das Gegenteil war letztendlich der Fall. Heute denkt man, viel Information helfe viel. Und wieder gilt: genau das ist unser Verderben! Nur zur Information: Hans-Martin Schleyer, der 1977 von der RAF entführte Arbeitgeberpräsident hätte gerettet werden können, wenn die Meldung eines Polizisten, der auf eine verdächtige Wohnung aufmerksam geworden war, nicht im BKA versandet wäre. Die Anschläge des 11. September 2001 verübten 19 Männer, weil der 20. an diesem Tag in US-Haft saß. Er hatte in der amerikanischen Flugschule, in der er für sein Verbrechen trainiert werden sollte, auf den Landeunterricht verzichten wollen.  

 

Und wieder nur zu Information: der Weg zum gestrigen Erfolg war nicht der biometrische Pass, nicht die Speicherung aller Handygespräche, nicht die Generalfilterung aller Emails und schon gar nicht das Ausspionieren aller PCs, von präventiven Genbanken mal ganz zu schweigen. Es waren, so die FAZ vom 06. September 2007 („Die Dschihadisten aus der Provinz"), die Amerikaner, die sich beschwerten, dass seit kurzem immer wieder dieselben komischen Gestalten vor ihren Kasernen herumhingen.  

 

Wenn der Terrorismus besiegbar ist, dann durch Offenheit. Offenheit bedeutet Freiheit. Und was kann man schon dagegen ausrichten?  

 

 

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Frédéric Bastiat (1801-1850)

"The plans differ; the planners are all alike..."

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