home mail print index imprint

02.08.2007

Kürzlich im Kosovo ... - IUF Kommentar 17/2007

Sascha Tamm - IUF

Kürzlich im Kosovo fragte ich mich auf einer langen nächtlichen Autofahrt in einem Fahrzeug der OSZE, die dieses Gebiet zusammen mit KFOR mehr schlecht als recht am Laufen hält: Warum ist die Frage des zukünftigen Status des Kosovo so schwierig zu lösen? Worin besteht das Problem bei einer Sezession eines bestimmten Teiles eines Staates? Und: Warum ist das eigentlich so wichtig?  

 

 

Natürlich - im Kosovo sind einige Probleme ganz vordergründig: Die Verbrechen, die Milosevic und seine serbischen Gefolgsleute gegen die albanische Bevölkerung begangen haben und die aktuelle Angst eines großen Teils der noch verbliebenen Serben vor der Zukunft in einem unabhängigen Kosovo. Der Weg in die Unabhängigkeit ist offensichtlich unausweichlich, egal wie das Verfahren letztendlich aussehen wird.  

 

 

Doch wenn man von diesem konkreten Fall absieht, kann man über die tiefer liegenden Gründe dafür nachdenken, dass staatliche Grenzen und die Zugehörigkeit zu dem einen oder anderen Land so wichtig sind.  

 

 

So haben natürlich Politiker Interessen: Mit der Feindschaft zwischen Volksgruppen lassen sich bestimmte Wählergruppen begeistern und binden. Kleinere Einheiten bieten mehr Posten, mehr Pfründe.  

 

 

Doch auch für viele Menschen spielt die Zugehörigkeit des Gebietes, auf dem sie leben, eine wichtige Rolle. Der wichtigste Grund dafür liegt jedoch nicht in den oft zitierten kulturellen und religiösen Unterschieden, sondern wie bei so vielen Problemen, in der Anmaßung staatlicher Macht und im Staatsversagen.  

 

 

Zuerst zur Anmaßung. Das beginnt bei der Sprache: Warum ist eine Amtssprache wichtig, die oft einer Minderheit aufgedrückt wird? Damit alle sich verstehen? Doch wenn sich die Menschen verstehen wollen, wenn dafür eine Notwendigkeit besteht, so werden sie schon die dafür notwendige Sprache lernen. Das zeigt sich überall auf der Welt. Andere Probleme sind viel schwerwiegender: Staaten haben viel zu verteilen und wollen immer mehr verteilen: Privilegien, Geld, Zugang zu Macht und den verschiedensten Ressourcen. Und da der Staat vor allem als Selbstbedienungsladen angesehen wird und sich darüber legitimiert, ist es natürlich wichtig, welche Gruppe in einem Gebiet die Mehrheit hat, ob man Mitglied der wie auch immer definierten Mehrheit oder einer Minderheit ist. Neue Grenzen machen regionale Mehrheiten zu Mehrheiten in einem ganzen Staat mit entsprechend viel größeren Pfründen. Je stärker der Staat also Einkommensquelle für die Bevölkerung ist, desto wichtiger wird der territoriale Zuschnitt.  

 

 

Auf der anderen Seite gilt: Je weniger das Eigentum der Menschen geschützt ist, desto mehr haben sie Interesse an staatlichen Privilegien. Viele Menschen im Kosovo und in anderen gebieten in ähnlicher Situation haben Angst um Ihr Eigentum. Andere wiederum erhoffen sich, an das Eigentum anderer zu gelangen. Das macht die Frage, wer über welches Gebiet herrscht, so wichtig. Da - zumeist zu Recht - kein Vertrauen darin besteht, dass der Staat das Eigentum schützt, wird paradoxerweise die Staatszugehörigkeit und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe besonders wichtig.  

SPONSORING
NEWSLETTER

Ja, ich möchte aktuelle Meldungen vom Institut für Unternehmerische Freiheit:

ZITATE

Thomas Jefferson (1743-1826)

"I own I am not a friend to a very energetic government. It is always oppressive. It places the governors indeed more at their ease, at the expense of the people."

Stipendien für begabte Leute
iuf top