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18 Oktober 2007

Wohlstand für alle! -IUF Kommentar 23/07

Roland Gast

Ohne Menschenrechte ist Zivilisation heute nicht mehr denkbar. Aber oft verbindet sich mit dieser Forderung eine andere, die man begrifflich von der nach Menschenrechten trennen muss. Es wird bemängelt, dass in Schwellenländern nicht genau die Standards im Arbeitsrecht gelten, die es hier gibt. Für solche Standards gibt es meist gute Gründe. Aber sie sind nicht immer gleich Menschenrechte. Und es ist kontraproduktiv, eine solche „Schutzideologie" von der Frage abzukoppeln, ob die Menschen in einem Land sie sich leisten wollen oder können.

 

Manche Produzenten - wie die von Textilwaren - sollen nicht mehr in armen Ländern investieren, um die Menschen auszubeuten und die Umwelt zu ruinieren. Dafür sprechen die obigen Erwägungen. Aber werden nicht Orang-Utans, Elefanten oder Tiger gerade geschossen, weil bitterarme Menschen irgendwie ihre Familien ernähren müssen? Wäre ihnen und der Umwelt durch Arbeitsplätze nicht geholfen, auch wenn die nicht dem entsprechen, was hier gilt? Sicherlich ist eine gewisse Grenze nicht zu unterschreiten. Die Binden von Arbeiternehmerinnen zu kontrollieren, um zu schauen, ob sie nicht schwanger sind, geht bestimmt zu weit. Aber sechs Tage die Woche zehn Stunden pro Tag arbeiten, ohne Anspruch auf sechs Wochen bezahlten Urlaub zu haben. Ist das eine unzulässige Unterschreitung der (bundesrepublikanischen) Arbeitsstandards?  

 

Eine Hilfe in diesen Abgrenzungsfragen könnten die Menschen geben, um die es eigentlich geht. Chinesische Wanderarbeiter sind ein beliebtes Beispiel. Sie arbeiten viel und bekommen wenig. Mehr noch: von Gesetz wegen dürften sie ihre Dörfer nicht verlassen. Deswegen bekommen sie in den Städten noch nicht mal reguläre Gesundheitsversorgung. Dennoch kommen sie dorthin in Scharen. Welchen anderen Grund können sie dafür haben, wenn nicht den, diese Bedingungen denen vorzuziehen, die sie auf dem Land erwarten? Ich könnte mir vorstellen, dass auch sie sechs Wochen bezahlten Urlaub haben möchten. Oder zehn. So verschieden sind sie bestimmt nicht von uns. Sie wissen aber, dass sie sich das schlicht nicht leisten können, wenn möglichst viele Menschen in China mehr haben sollen als den Lebensstandard ihres Heimatdorfes. So, wie deutsche Gewerkschaften in den letzten Jahren sich Forderungen von 15% mehr Lohn nicht leisten konnten, wenn es nicht noch mehr Arbeitslose geben sollte. Rein theoretisch kann man diese Frage juristisch, in Form von Menschenrechtserwägungen, formulieren. Aber faktisch ist es eine Diskussion um Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt: je mehr jeder Arbeiternehmer kostet, umso weniger werden insgesamt beschäftigt. Das ist keine Selbstkasteiung, das ist so.  

 

Und so hart es klingen mag: das kann man nicht einfach dadurch abschaffen, indem man ein Gesetz macht oder auf irgendein Recht verweist. Marktkräfte suchen sich immer ein Ventil. Wie zu der Zeit, als hier die Ladenöffnungszeiten noch sehr strikt geregelt waren. Plötzlich waren die (von dem Gesetz ausgenommenen) Tankstellen kleine Supermärkte. Man kann Marktkräfte aber nutzen, wenn man sich nur darauf einlässt. Und das zu tun hat zum Beispiel China vor gut zwanzig Jahren beschlossen, als entlang der Küste Sonderwirtschaftszonen eingerichtet wurden. Mit der Folge, dass inzwischen mehr Arbeit vorhanden ist, als Arbeiter dorthin nachkommen. Und eine höhere Nachfrage nach Arbeitskraft führt bei gleichbleibendem Angebot zu Preissteigerung. Anders gesagt: die chinesischen Löhne steigen! Nein, noch nicht auf deutsches Niveau. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die chinesischen Wanderarbeiter jetzt noch ein bisschen mehr Geld sparen können. Um es in die Bildung ihrer Kinder zu investieren, damit die ein besseres Leben haben. Damit mit der Zeit der Lebensstandard in Reichweite kommt, den wir uns leisten.  

Menschen in Schwellenländern möchten erst ein Haus mit Heizung und Klimaanlage, einen Fernseher, ein Auto, Reisen, gute Gesundheitsvorsorge und Ausbildung für ihre Kinder haben. Und natürlich Naturschutz. Und erst dann werden sie sich fragen, ob sie nicht etwas weniger arbeiten wollen. Warum auch nicht? Denn das Geld für ihre Träume bekommen sie ja nicht zusammen, indem sie weniger verdienen. Anders gesagt: bevor sie ihren kleinen Kuchen so gerecht wie möglich verteilen, wollen ihn diese Länder erst mal größer machen. Dann ist sowieso für jeden mehr übrig.  

 

Das ist auch die Idee, die hinter der sozialen Marktwirtschaft steckt. „Sozial" letzten Endes, weil sie jedem etwas bringt, indem es einfach mehr von allem gibt. Ist es dann „nachhaltig" und „gerecht", es Menschen schwer zu machen, in Fabriken oder im Ausland zu arbeiten, wo sie ein vielfaches von dem verdienen, was sie in ihrem Heimatdorf bekommen?  

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Friedrich August von Hayek (1899-1992)

"Perhaps the fact that we have seen millions voting themselves into complete dependence on a tyrant has made our generation understand that to choose one's government is not necessarily to secure freedom"

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